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Länderschwerpunkt

Willkommen Türkei – Merhaba Türkiye.
Eine Kulturnation zwischen Orient und Okzident

»Wer sich selbst und andere kennt, wird auch hier erkennen: Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.« Goethe betrachtete den Orient nicht als etwas Fremdes, sondern rückte ihn wie einen Zwilling in untrennbare Nähe zum Okzident. Und so liest sich seine Gedichtsammlung »West-östlicher Divan« letztlich auch wie ein Plädoyer für einen kulturellen Dialog zwischen Morgen- und Abendland.
Die Frage, was die Kulturnation Türkei ausmacht, ist nicht leicht zu beantworten. Kaum eine andere Region der Welt ist so von kulturellen Vermischungen geprägt wie die Türkei. Die wechselvolle Geschichte Kleinasiens, also nahezu das gesamte Gebiet der heutigen Türkei, ist auch eine Geschichte der Auseinandersetzung östlicher und westlicher Kulturen. Hethiter, Perser, Griechen und Römer, dann aus dem Osten vordringende türkische Stämme, später Seldschuken (seit 1134) und Osmanen (seit 1300) herrschten über das Gebiet. 1923 gründete schließlich Mustafa Kemal Paþa – seit 1934 Atatürk (Vater der Türken) – die Republik Türkei nach dem Vorbild westeuropäischer Staatssysteme. Im Laufe ihrer bewegten Geschichte ist die Türkei so zu einem Schmelztiegel der Kulturen geworden; eine Kulturnation, die sich in ihrer Buntheit – und in ihren Abgründen – so vielseitig zeigt wie kaum eine andere. Und auch in der türkischen Musik findet man eine schier unerschöpfliche Vielfalt.

»Es ist die Mischung, die die Identität ausmacht: das Türkische in lebendiger Wechselbeziehung mit dem Persischen, dem Arabischen und später den westlichen Einflüssen, und nicht zu unterschätzen die Beiträge der armenischen, kurdischen, griechischen und anderen Minderheiten«, erklärt der Musikwissenschaftler Christoph Schlüren. Obwohl die türkische Musik sich als Kreuzungspunkt der Kulturen entpuppt, hat sie also immer ihren eigenen Charakter behalten. »Sollen wir versuchen, Merkmale eines gemeinsamen Nenners aufzuspüren, so fällt eine Haltung auf, die sowohl von Stolz und Würde gekennzeichnet ist als auch von Zartheit, Anmut und sentimentaler Sehnsucht«, formuliert es Schlüren.

Blättert man die Musikgeschichte auf, so entdeckt man in der Tat Elemente des asiatischen Schamanentums, asiatische Pentatonik (Fünftonsystem), Spuren der antiken persischen Musik und Religion, Teile der griechischen Musiktheorie und des christlichen Hymnengesangs aus Kappadokien (Gebiet in Zentralanatolien) sowie verschiedene Einflüsse aus dem Islam und dem Buddhismus. Eine Volksmusik- und eine Kunstmusiktradition, die von der religiösen Musik stark beeinflusst sind, lassen sich unterscheiden: Hat die Volksmusik ihre Ursprünge in asiatischen Bräuchen, so basiert die Kunstmusik, deren Ursprung nicht mehr zu datieren ist, auf der byzantinischen, griechischen und persischen Kultur.
Eine Musik westlicher Prägung bildete sich seit dem 18. Jahrhundert heraus, erhielt aber erst nach der Gründung der Republik extremen Aufschwung. Junge Musiker wie A. A. Saygun, Ulvi Cemal Erkin, Necel Kâzim Akses wurden nach Paris geschickt, um sich dort musikalisch fortzubilden. Umgekehrt wurde Paul Hindemith von der türkischen Regierung beauftragt, beim Aufbau des Musiklebens im Lande zu helfen.

Saygun, Erkin und Akses gelten zusammen mit Cemal Resit Rey als die erste Komponistengeneration der Türkei. Ihre Nachfolger beziehen sich zunehmend wieder auch auf die Elemente der traditionellen türkischen Musik, was nicht als Rückbesinnung zu verstehen ist. Vielmehr sieht sich die Komponistengeneration heute als Mittler zwischen Tradition und Moderne, zwischen Versöhnung und Verantwortung, zwischen Ost und West. Der bekannteste Vertreter heute ist sicherlich Fazýl Say. Der Ausnahmepianist und Komponist wird in seiner Heimat fast wie ein Popstar gefeiert. Sowohl in seinen Kompositionen als auch mit seinen Klavier-Programmen schlägt er immer wieder gekonnt eine Brücke zwischen Orient und Okzident. Nicht umsonst zeichnete ihn die EU als Botschafter für den »Dialog zwischen den Kulturen aus«.

»Orient und Okzident sind nicht zu trennen« – In diesem Sinne will das 26. Schleswig-Holstein Musik Festival ebenfalls einen integrativen Dialog führen und die spannenden Wechselbeziehungen zwischen Morgen- und Abendbland beleuchten. Merhaba Türkiye – Willkommen Türkei!

Der Länderschwerpunkt Türkei wird gefördert durch:
Ministerium für Kultur und Tourismus der Republik Türkei
Interantional Istanbul Music Festival






  
 
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