173.000 Besucher beim SHMF 2018!

Das SHMF beendet die Saison erneut mit einer Rekordbilanz: Von den 190.000 verfügbaren Karten wurden rund 173.000 bei den 202 Konzerten, fünf Musikfesten auf dem Lande und zwei Kindermusikfesten abgesetzt. Mit einer Auslastung von 91 Prozent bespielte das Festival in diesem Sommer 107 Spielstätten an 64 Orten in Schleswig-Holstein, Hamburg, Süddänemark und dem nördlichen Niedersachsen. Rund 7.000 Besucher kamen zu den öffentlichen Proben des Schleswig-Holstein Festival Orchestra und den Meisterkursen. 141 Veranstaltungen waren ausverkauft. »Ich bin berauscht von dem künstlerischen Erfolg, der sich in dieser Bilanz widerspiegelt. Das haben wir nicht nur großen Stars und Klassikern im Programm zu verdanken, sondern auch vielen gelungenen Experimenten. Routine ist der Feind der Kultur, wir dürfen nie aufhören, kreativ zu sein«, sagt Festivalintendant Dr. Christian Kuhnt.
 
Komponisten-Retrospektive Robert Schumann
 
In diesem Jahr stellte das SHMF den romantischen Komponisten Robert Schumann in den Mittelpunkt des Programms. In über 80 Konzerten widmeten sich Künstlerpersönlichkeiten wie Midori, Sir András Schiff, Anna Lucia Richter, Nils Mönkemeyer, Jan Lisiecki und Elisabeth Leonskaja, Dirigenten wie Paavo Järvi, Sir Antonio Pappano, Christoph Eschenbach, Thomas Hengelbrock und Vladimir Jurowski sowie Ensembles wie das NDR Elbphilharmonie Orchester, das Artemis Quartett und Die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen diesem außergewöhnlichen Musikschriftsteller und Künstler. Festivalintendant Dr. Christian Kuhnt: »Wir haben vor vier Jahren die richtige Entscheidung zugunsten der Komponisten-Retrospektive getroffen und profitieren davon jedes Jahr. Auch die Auseinandersetzung mit Robert Schumann war mehr als lohnenswert.«
 
Porträtkünstlerin Sabine Meyer
 
Ihre 19 Konzerte waren für die Wahl-Lübeckerin ein Heimspiel, kannte sie doch jede Spielstätte mit ihrer besonderen Atmosphäre bereits – vom Kuhstall auf Gut Pronstorf bis hin zur Reithalle in Elmshorn. Die international renommierte Klarinettistin Sabine Meyer stellte dem Publikum die Vielseitigkeit ihres Instruments mit virtuosem Spiel und eigens entwickelten Programmen vor. Darunter Wolfgang Amadeus Mozarts berühmtes Klarinettenkonzert, die »Variations« des zeitgenössischen Komponisten Toshio Hosokawa oder »Paris Mécanique«, eine musikalische Reise in das Paris der 1920er Jahre. Sabine Meyer trat in unterschiedlichen Besetzungen auf, wie beispielsweise mit ihrem Bläserensemble, das sie nach der Studienzeit ins Leben rief, mit den King’s Singers oder dem aus vier Saxophonen und einem Klavier bestehenden Alliage Quintett. »Es war für mich eine sehr große Ehre, so viele Konzerte bei diesem bedeutenden Festival spielen zu dürfen. Ich konnte aus dem Vollen schöpfen und die wunderbare Bandbreite der Klarinette zeigen. Das war eine unglaubliche Freude für mich und wäre im normalen Musikbetrieb nicht möglich gewesen«, sagt Sabine Meyer.
 
100 Jahre Leonard Bernstein 

In diesem Jahr wäre der Mitbegründer des SHMF, Leonard Bernstein, 100 Jahre alt geworden. Dieses Jubiläum feierte das Festival mit zahlreichen Konzerten. Im Rahmen der großen musikalischen Hommage »The Big Bernstein« auf dem Gelände der NordArt in Rendsburg-Büdelsdorf widmeten sich Künstler wie Cameron Carpenter, Sabine Meyer und Martin Grubinger dem Maestro und seinem Umfeld. Auch das Schleswig-Holstein Festival Orchestra und der Schleswig-Holstein Festival Chor wirkten mit. Darüber hinaus reiste Tochter Jamie Bernstein aus den USA an, um an zwei Abenden persönliche Texte von und über ihren Vater zu lesen. Sie überreichte außerdem den Leonard Bernstein Award an Charles Yang und besuchte das Konzert von Nils Landgren in der Elbphilharmonie, der dort zwei junge Orchester und Künstlergrößen um sich versammelte, um ein Best-of der Jazz- und Musicalwerke Bernsteins wiederaufleben zu lassen. Das Festival Finale mit Justus Frantz in der Sparkassen-Arena-Kiel am tatsächlichen 100. Geburtstag, dem 25.8., bildet den Schlusspunkt dieses Festivalschwerpunkts. Auf dem Programm steht Beethovens 9. Sinfonie, ein Werk, das Bernstein wenige Wochen nach dem Mauerfall sowohl in Ost- als auch in Westberlin dirigierte und damit Musikgeschichte schrieb. Auf der Bühne versammeln sich dafür Justus Frantz’ Philharmonie der Nationen, ein Solistenensemble und der Festivalchor.
 
Neue Spielorte
 
Erstmals bespielte das SHMF in diesem Jahr den Kleinen Saal der Elbphilharmonie, außerdem im Rahmen des Daniel Hope Wochenendes das Heiligen-Geist-Hospital, das Katharineum und das Theater Combinale auf der Lübecker Altstadtinsel. Auch das umgestaltete Gäste- und Veranstaltungszentrum in Büsum gehört seit dieser Saison zu den SHMF-Spielstätten. Im dänischen Tondern trug die Scheune Slotfeldladen von Schloss Schakenborg dazu bei, dass die Fläche Schleswig-Holstein noch über seine Grenzen hinaus bespielt wurde. Und im Libeskind Auditorium in Lüneburg feierte das Festival mit Thomas Quasthoff und der NDR Bigband Premiere.
 
Ganz nah dran
 
Das SHMF eröffnet neue Erfahrungshorizonte, die über das gewöhnliche Konzerterlebnis hinausreichen. Verschiedene Formate machten das in diesem Sommer möglich: Bei SHMF Backstage besuchte das Publikum eine öffentliche Probe des Workshops mit Sabine Meyer und hatte beim anschließenden Grillen die Möglichkeit, der Starklarinettistin und den Teilnehmern Fragen zu stellen. Die Besucher lernten, welcher Prozess hinter einem Konzert, wie viel Spaß aber auch in der Vorbereitung steckt. Bei Zoom nahm das Schleswig-Holstein Festival Orchestra verteilt mitten im Publikum Platz und ermöglichte ein Konzerterlebnis aus allernächster Nähe. Das Filmkonzert »Harry Potter und der Stein der Weisen« ließ Filmmusik durch das Festivalorchester direkt vor der Leinwand lebendig werden und bei den Kindermusikfesten und Familienkonzerten wurden die kleinsten Festivalbesucher spielerisch an die Musik herangeführt. Auch das Wandelkonzert auf Schloss Gottorf, die Slotsmusik-Tour in Dänemark und das Strandkorbkonzert in Weissenhäuser Strand sind Formate, die vor besonderem Ambiente einen neuen Zugang zu Musik und Künstlern ermöglichen. »Die Nähe zu den Künstlern und der Blick hinter die Kulissen berührt nicht nur emotional, sondern schärft auch die Aufmerksamkeit in einer Zeit, in der alles an uns vorbeizurasen scheint«, so Dr. Christian Kuhnt.
 
Talentförderung
 
Auch die Talentförderung stand wieder im Fokus des Festivals. So gaben bei den Meisterkursen renommierte Dozenten wie die King’s Singers, Nils Mönkemeyer und Helen Donath ihre Erfahrung an junge Talente weiter. Das Schleswig-Holstein Festival Orchestra arbeitete über die Festivalmonate mit den Dirigenten Christoph Eschenbach, Justin Freer, Krzysztof Urbański, Vladimir Jurowski und Wayne Marshall zusammen, um am Ende 14 Konzerte zu realisieren. Die 120 jungen Musiker des Festivalorchesters stammen aus 26 Nationen und hatten sich durch Probespiele in 27 Städten weltweit qualifiziert. Der Schleswig-Holstein Festival Chor bot Sängern die Möglichkeit, über Wochen gemeinsam zu proben, um am Ende bei der großen musikalischen Hommage »Big Bernstein«, dem Festival Finale und der Abschlussgala mit Anna Netrebko mitzuwirken. Und der Klarinettenworkshop mit Sabine Meyer lud 80 Jugendliche dazu ein, zwei Tage intensiv mit der Starsolistin zu arbeiten und anschließend in einem Konzert das erlernte Programm zu präsentieren.

Im Rahmen des SHMF 2018 wurden drei Preise verliehen, die sich als Karrieresprungbrett für junge Talente in der Klassikszene etabliert haben: Die Italienerin Clara Iannotta wurde mit dem Hindemith-Preis 2018 ausgezeichnet. Seit 1990 wird dieser mit 20.000 Euro dotierte Preis an herausragende zeitgenössische Komponisten vergeben. Der 29-jährige Geiger Charles Yang erhielt den mit 10.000 Euro dotierten Leonard Bernstein Award und die 15-jährige Gitarristin Catalina Pires den mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis – letztere beiden Auszeichnungen sind gestiftet von der Sparkassen-Finanzgruppe.

Die unverzichtbaren musikpädagogischen Aktivitäten des SHMF werden von der Possehl-Stiftung (Meisterkurse), der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius (Meisterkurse), der Familie Dr. Hannelore Murmann (Festivalorchester und Festivalchor), der Weiland Kulturstiftung Henning Hamkens sowie der ACO Gruppe (Festivalorchester) großzügig unterstützt. Sein mäzenatisches Engagement für das SHMF führt auch der Unternehmer Prof. Dr. Günther Fielmann fort. Im Rahmen von Patenschaften engagieren sich die Oscar und Vera Ritter-Stiftung und Dres. Beate u. Rainer Jebens.
 
Luustern, die Musikfeste und Daniel Hope
 
Auch in diesem Jahr bot das SHMF viele Möglichkeiten der Grenzüberschreitung zu anderen Genres abseits der klassischen Musik: In der Reihe »Luustern« (plattdeutsch für »Lauschen«) präsentierten unter anderem Judith Holofernes, Tina Dico und die WËRELDBÄND Rockmusik, Singer-Songwriter-Klänge und Slapstick. Die »Musikfeste auf dem Lande« luden die Besucher auf die Güter Pronstorf, Stocksee, Hasselburg, Emkendorf und Wotersen ein, wo unter anderem die musikalischen Schwerpunkte »Varieté«, »Tango« oder »Klezmer« gesetzt wurden. Und Stargeiger Daniel Hope feierte erneut sein erfolgreiches »Lübeck-Musikfest«, bei dem er die Hansestadt mit elf Konzerten an vier Tagen in eine klingende Bühne verwandelte. Gefördert wurde das Projekt von der Possehl-Stiftung.
 

Das Festivalprogramm 2019 wird im Februar 2019 veröffentlicht.