Johannes Brahms

Mit dem Spätromantiker Johannes Brahms (1833–1897) beschließt das SHMF die Reihe der Komponisten-Retrospektiven, die sich seit 2014 unter anderem Felix Mendelssohn, Maurice Ravel, Carl Nielsen und Johann Sebastian Bach widmete. 

Johannes Brahms wuchs in bescheidenen Verhältnissen im Hamburger Gängeviertel auf. Sein Vater arbeitete als Musiker in Tanzlokalen und auch Brahms Junior stand schon früh als Pianist und Hornist auf der Bühne. Als entscheidend für Brahms’ Karriereweg erwies sich seine erste Konzertreise im Alter von 20 Jahren. Hier kam es zur Begegnung mit Robert und Clara Schumann, die zu großen Unterstützern des jungen Pianisten und Komponisten wurden. So nannte Robert Schumann ihn in seinem Aufsatz »Neue Bahnen« im Jahr 1853 einen »Berufenen« mit »genialem Spiel« am Klavier, der mit seinen Kompositionen  »wunderbare Regionen enthüllt«. 

Dennoch gelang es Johannes Brahms nicht, als Musiker in Hamburg Fuß zu fassen. In den 1860er Jahren verließ er die Hansestadt und zog nach Wien, wo er zunächst eine Anstellung als Chormeister der Wiener Singakademie annahm. In dieser Zeit gelang ihm der Durchbruch: Als Komponist feierte er große Erfolge, beispielsweise mit »Ein Deutsches Requiem« oder den »Ungarischen Tänzen«. Darüber hinaus trat sowohl national als auch international als Pianist und Dirigent auf und verkehrte in angesehenen Gesellschafts- und Musikerkreisen. 
 
Dem Norden Deutschlands blieb er dennoch zeitlebens verbunden. In Briefen an seinen Vater schwärmte er von Schleswig-Holstein und wusste sich »auf Heide besser zu besinnen als auf manche Stadt«. Er bezeichnete Kiel und Düsternbrook als »wunderschön« und empfahl dem Vater eine längere Reise durch das ländliche Schleswig-Holstein, denn »das soll prächtig sein!«. 1889 erhielt er die Ehrenbürgerschaft Hamburgs. Hier blickte man nun stolz auf den berühmt gewordenen Sohn der Stadt. In dieser Zeit begann der Abriss seines alten Stadtteils, des Gängeviertels. Es passte nicht mehr zum modernen Selbstbild der Stadt. 

Inside Brahms

Im Rahmen der diesjährigen Komponisten-Retrospektive findet eine eigene Konzertreihe unter dem Titel Inside Brahms statt. Im ehemaligen Gängeviertel der Hamburger Neustadt, wo Johannes Brahms aufwuchs, kuratiert der Wiener Klarinettist Matthias Schorn sechs Konzerte, die einen interessanten musikalisch-biografischen Bogen spannen: von den ärmlichen Verhältnissen seiner Kindheit und Jugend, seinen ersten Konzerten in dortigen Bordellen, Gaststätten und Tanzlokalen bis hin zu seinem späteren Ruhm als international hochangesehener Komponist. Auf dem Programm stehen neben der Musik von Brahms selbst auch Stücke von Astor Piazzolla, Ray Charles und den Beatles. Es musizieren die Preisträgerinnen und Preisträger des Fanny Mendelssohn Förderpreis.

Zu den Konzerten

Brahms im Podcast

Zwei Podcasts zu Johannes Brahms begleiten das Festival: Der Musikjournalist, Moderator und Regisseur Axel Brüggemann gestaltet mit einer Schulklasse einen Podcast, in dem es um ausgewählte Werke des Komponisten und den Zugang der Jugendlichen zu ihnen geht.

Der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Sandberger, Leiter des Brahms-Instituts an der Musikhochschule Lübeck, lädt außerdem Künstlerinnen und Künstler des Festivals dazu ein, mit ihm unter dem Titel »Sie lieben Brahms« über die Faszination für die Musik des Komponisten zu sprechen.

Beide Podcasts erscheinen ab dem 4. Juli 2022 auf der SHMF-Website und überall, wo es Podcasts gibt.