Solitär der Musik – Komponisten-Retrospektive Maurice Ravel

Einer Schule oder Strömung gehörte er weder an noch begründete er sie. Maurice Ravel, der Dandy unter den Komponisten, war, obwohl so häufig umgeben von Freunden und Bekannten, doch immer ein Einzelgänger, der nie zu viel von sich preisgab. Auch in musikalischer Hinsicht blieb der Komponist mit schweizerischen und baskischen Wurzeln zeitlebens ein Solitär. Ein Impressionist war er nicht, ließ sich aber auch nicht von Arnold Schönbergs Zwölftontechnik beeinflussen.

Wer das Wesen Ravels ergründen will, kann dies wohl am ehesten in seinem liebevoll und detailreich eingerichteten Haus in Montfort-L’Amaury. Alles hat dort seinen perfekten Platz gefunden; von zahleichen Bildern und Büsten bis hin zum Manikür-Set, das exakt aufgereiht im Badezimmer zu finden ist. Eine große Liebe empfand er zum einen für die Welt der Kinder, was sich in Kompositionen wie der Märchensuite »Ma mére l’oye« zeigt, zum anderen für mechanische Spielzeuge, zum Beispiel eine künstliche Nachtigall. Der Hang zur Künstlichkeit, die für Ravel stets das Natürlichste auf der Welt war, klingt auch in seiner Musik mit. Sein Werk ist nie nur das, was man im ersten Moment hört – es verbirgt sich immer noch etwas Anderes hinter dieser großen (klassischen) Komplexität, zum Beispiel Anleihen an Volksmusik und Jazz. Mit der Künstlichkeit ging auch ein ausgedehnter Perfektionismus einher. Keines seiner Werke verließ den geschützten Raum seines Arbeitszimmers bevor er nicht hundertprozentig von ihm überzeugt war. Der Welt hinterließ er mit damit eine Vielzahl an absoluten Meisterwerken.